Mikrofinanz und Finanz 2.0: Partner oder Konkurrenten?

Neue Finanzierungsansätze (zusammengefasst unter dem Begriff „Alternative Finance“) mischen die etablierten Akteure und Strukturen der Finanzwirtschaft, also vor allem die Banken, derzeit gehörig auf.

Das Spektrum reicht von disruptiven FinTechs, über die schon fast etablierten Crowdfunding- und P2P-Plattformen bis zu weniger technologiegetriebenen Ansätzen wie Mikrofinanzanbietern oder genossenschaftlichen Modellen der Kollektivfinanzierung. Sie alle eint der Ansatz, die unbeweglichen Banken in bestimmten Finanzierungsbereichen überflüssig zu machen.

Der gemeinsame Gegner ist also deutlich. Aber stehen diese Ansätze auch untereinander in Konkurrenz? Und wie wirkt sich der zunehmende Einsatz digitaler Technologien auf die emanzipatorischen Ansprüche der alternativen Finanzierungsakteure aus? In UK beispielsweise beginnen erste Mikrofinanzierer, ihre Mittel über P2P-Plattformen zu vergeben – ist das Verrat an der sozialen Idee oder die Zukunft?

Die zum Teil beeindruckende Wachstumsdynamik des Crowdfunding- und P2P-Sektors in Europa sowie dessen Fokus auf innovative Technologien und neuartige digitale Instrumente lässt zunehmend auch die Europäischen Mikrofinanzakteure aufhorchen. Das Europäische Mikrofinanz-Netzwerk EMN hat die Relevanz des Themas erkannt und im Vorfeld der diesjährigen EMN-Konferenz in Dublin ein eMagazine veröffentlicht, das sich ausschließlich damit beschäftigt. Unter dem Titel „Crowdfunding and P2P Lending: Which opportunities for Microfinance?“ wird u.a. dargestellt, wie sich der klassische Finanzsektor durch die Digitalisierung bzw. durch die neuen Geschäftsmodelle der Crowdfunding- und P2P-Akteure verändert, wie sich die derzeitige Entwicklung in Deutschland und UK darstellt und wie Praktiker, sowohl aus der Mikrofinanzbranche als auch aus dem Crowdfunding-Sektor, das Verhältnis zwischen beiden jungen Industrien einschätzen.

Mikrofinanz-Sektor und FinTechs: Zwischen Kooperationsbereitschaft und Abgrenzung

Durch das Know-how von evers&jung im Bereich Digitalisierung und (Gründungs-)Finanzierung konnten wir wichtige Impulse zur erwähnten EMN-Publikation beitragen und sind mit einem Gastbeitrag auch im Magazin vertreten.

Auf der Konferenz diskutierte unser Mikrofinanzexperte Michael Unterberg zudem im Workshop „New technology-based opportunities for MFIs: P2P, Crowdfunding and more” gemeinsam mit Vertretern der britischen Mikrofinanzorganisation Fair Finance und der Santander Bank spannende, in Großbritannien bereits umgesetzte Kooperationsmodelle zwischen Banken, P2P-Plattformen und Mikrofinanzanbietern. Der Austausch mit den Workshopteilnehmern zeigte, dass der richtige Umgang mit den neuen Anbietern tatsächlich eine große Relevanz für die meisten Praktiker aus dem europäischen Mikrofinanzsektor hat: Die Reaktionen schwanken zwischen offener Kooperationsbereitschaft und eher vorsichtigen Abgrenzungsüberlegungen. Allen gemeinsam ist der Wunsch nach besseren Informationen zu Entwicklungen im Alternative Finance Bereich und zu Kooperationsmöglichkeiten.

Wir werden diese spannende Diskussion weiter begleiten und uns für einen verstärkten Austausch zwischen FinTechs, Crowdfunding-/P2P-Plattformen und Mikrofinanzakteuren einsetzen.

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