LaborXHH#9 am 2. Februar 2017: Vom Entrepreneurial Design bis zur Design-Käseglocke

Anfang Februar war es mal wieder so weit: Erstmals im neuen Jahr hatte das LaborX für Entrepreneurship Hamburg gerufen und einmal mehr waren viele gekommen – alte Gesichter ebenso wie neue. Fast 100 Teilnehmende saßen im Publikum im Forum Finkenau und arbeiteten gemeinsam am Entrepreneurial Design von Geschäftsideen.

Der Abend startete mit einem neuen Element: „Meine erste Firma“ heißt die neue Rubrik beim LaborX, die den bisherigen Impulsvortrag ersetzt. Mit ihr  reagierte das Team um evers & jung auf Feedback aus dem Vorjahr: Gestandene Entrepreneure, die von ihren frühen Gründungsversuchen erzählen, sind dem Publikum lieber als die Referenten der bisherigen Impulsvorträge.

Dieses Konzept ging auf, denn mit Dirk Freise (handy.de, blau.de, jetzt VC-Geber) stand nicht nur ein prominenter Gründer auf der Bühne – es war auch noch einer, der sehr kurzweilig aus dem Nähkästchen plauderte. So erfuhr das Publikum von der unkonventionellen GmbH-Gründung beim deutschen Konsul in den USA ebenso wie von der hemdsärmeligen Startphase von handy.de Ende der 90er Jahre, in der die Gründer nicht einmal Ware hatten, als die ersten Handy-Bestellungen eingingen. Handy.de verlegte sich später auf das lukrativere Geschäft mit Klingeltönen und die Gründer legten in der New Economy-Zeit einen erstklassigen Exit hin, indem sie das Unternehmen für 50 Mio. DM an den Bertelsmann-Konzern verkauften.

Freise blieb aber nicht nur damit im Gedächtnis des Publikums, sondern auch, weil er entscheidende Tipps gab: Das Credo „Wir gehen naiv ran, aber wir lernen sehr schnell“ lässt sich auch auf heutige Startup-Gründer übertragen. Vor allem aber die Weisheit „Das zweite Unternehmen ist wie ein zweites Kind – es läuft einfach so durch“ sorgte für Lacher ebenso wie für Gesprächsstoff.

Wie immer präsentierten sich auch bei diesem LaborX wieder drei Gründungen.

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Den Auftakt machten Anna Terschüren und Martin Eckardt, die sich mit lazyinvestors.de auf Online-Kurse rund um Altersvorsorge und Geldanlage spezialisiert haben. Ihr Gründungsimpuls war, dass sie selbst als klassische Vertreter der Generetion Y ein großes Thema mit der Altersvorsorge haben und gleichzeitig wenig neutrales Know-how für eine Hilfe zur Selbsthilfe im Markt vorhanden ist. Nun vermittelt lazyinvestors.de in Webinaren und Online-Kursen, wie man sich selbst ein solides ETF-Portfolio aufbaut und mit wenig Aufwand selbst pflegt. Dass Anna und Martin ohne großes Werbebudget am Launchtag gleich 33 Kurse verkaufen konnten, nötigte Moderator Jan Evers einigen Respekt ab. „Möglicherweise folgt das dem allgemeinen Do-it-yourself-Trend – das wäre eine große Chance für Euch“, konstatierte er. In jedem Fall hatte das Publikum keine Berührungsängste bei dem Thema. Von Affiliate-Marketing mit Finanzblogs, über eine Schärfung der Zielgruppe (insb. Kreative) bis hin zum Zusatzangebot „Persönliche Beratung“ reichte das Spektrum der Vorschläge, die die Lazyinvestors mit nach Hause nehmen konnten.

Entrepreneurial design für Altersvorsorgekurse, digital detox und eine Käseglocke

Maike Engel geht mit ihrer Gründung Breakout Experiences neue Wege im Reisebusiness: In ihren „Ferienlagern für Erwachsene“ geht es darum, als reizüberfluteter Großstädter wieder für drei Tage Kind werden und sich austoben zu können. Dieser Trend der „Breakout Camps“ stammt aus den USA und schwimmt dort auf der wachsenden „Digital detox“-Welle – es geht um kleine Ausfluchten aus dem Alltag, um Kreativität und Gemeinschaftsgefühl. Engel bietet solche Camps seit 2016 an und hat zur Vermarktung eine Crowdfundin-Kampagne genutzt. Dennoch war auch sie nicht gegen Fehleinschätzungen gefeit: „Ich hatte gedacht, wer da hinfährt, ist so wie ich. Viele Pilot-Teilnehmer waren aber introvertierte Einzelgänger.“ Bei der Suche nach passenden Zielgruppen half ihr die LaborX-Crowd: Sie riet u.a. zu Themen- oder Familiencamps (insbesondere auch für Vater/Kind-Wochenenden) sowie zu Open Space-Elementen, bei denen sich die Kunden auch selbst für Programmpunkte einbringen.

Die Industriedesignerin Julia Kaiser präsentierte ein Vorhaben aus einem völlig anderen Bereich. Ihr Prototyp einer „Glosch“ bringt eine alte Kulturtechnik in die Jetztzeit: die verdunstungsgekühlte Aufbewahrung für Käse, Tomaten u.ä.m. Die stylische moderne Interpretation der Käseglocke war ein echter Hingucker und weckte spontane Kaufgelüste beim Publikum. Es war sich einig mit Jan Evers, dass für dieses Küchenutensil ein Markt im gehobenen, design-affinen Kundensegment bestehen dürfte. Alle Anwesenden ermutigten die Gründerin, nach dem Design-Prototypen nun eine Kleinserie anzugehen und diese z.B. gezielt in Co-working-spaces aufzustellen. Eine Crowdfunding-Kampagne könnte begleitend als Markttest dienen.

Alles in allem zeigte auch diese LaborXHH-Veranstaltung wieder, welch spannendes und vielschichtiges Gründungspotenzial in Hamburg besteht. Und wieder nahmen Gründer/innen wie Publikum gleichermaßen viele Anregungen, Impulse und Kontakte mit nach Hause.

Ende März Kooperationsveranstaltung mit Hanse Ventures

LaborXHH ist ein Format nach dem Vorbild der Stiftung Entrepreneurship von Prof. Günter Faltin in Berlin. evers & jung führt diese Veranstaltungsreihe mit Förderung der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation der Freien und Hansestadt Hamburg sowie in Kooperation mit vielen weiteren Partnern etwa dreimal im Jahr durch. Mehr dazu auf der LaborXHH-Website oder auf https://www.facebook.com/laborxHH

Am 28. März 2017 (Achtung – Termin geändert!) geht es weiter mit dem LaborX Hamburg – und mit einer Neuerung: Erstmals findet die Veranstaltung in Kooperation mit Hanse Ventures statt, als „Hanse [email protected]“ in den Räumen des Hamburger Company Builders am Sandtorkai 71 (Einlass ab 18.30 Uhr, Beginn 19 Uhr).

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