LaborXHH#4: Fesselndes Thema „Lean Startup“, spannende Gründungen

„Lean Startup“ – mit diesem Thema traf evers & jung den Nerv der fast 120 Gäste beim vierten LaborX für Entrepreneurship Hamburg. Die Veranstaltung war die bestbesuchte bislang. Nicht wenige aus dem Publikum waren auch bei den früheren LaborX Hamburg-Abenden zugegen. Das zeigt, wie sehr sich das Format in der Hansestadt etabliert, das auf den Berliner Entrepreneurship-Professor Günter Faltin und dessen Stiftung Entrepreneurship zurückgeht.

Für den fachlichen Impuls zu Beginn sorgte diesmal Prof. Dr. Christoph Ihl, Lean Startup-Experte vom Startup Dock der TU Harburg. Im Gespräch mit Dr. Jan Evers stellte er heraus, dass es bei der Lean Startup-Methode nicht primär darum geht, Geld zu sparen. „Sytematisches Lernen ist der eigentliche Kern von Lean Startup“, so Ihl. „Es ist der Einfall der Wissenschaftlichkeit in das Gründungsthema – weg von der Glorifizierung von Personen. Die Rationalisierung der Entscheidungsfindung rückt das Gründerteam in den Mittelpunkt.“ Ihl stimmte entsprechend der These zu, dass die beiden unverzichtbaren Lehren für Gründer lauten: 1. Offen sein und bleiben, 2. Empirie statt Bauchgefühl. „Intuition ist ok,“ so Ihls Empfehlung, „aber sie muss immer plausibilisiert werden. Stellt das Wissen auf die Probe!“ Aus der Wissenschaft könne man außerdem lernen, dass jeder Test nur so gut ist wie seine Eingangsthese und jedes Messverfahren methodische Grenzen hat (Messfehler) – auf gut deutsch: Wer das Falsche misst, bekommt falsche Ergebnisse. Klar ist für Ihl auch, dass die Lean Startup-Methode sich nur eignet, um die Marktrisiken einer Gründung zu identifizieren. Technologische Risiken lassen sich damit nicht aufdecken.

Vorgestellte Gründungen passten zum Thema Lean Startup und machten auch noch Spaß

Ihl trug im weiteren Verlauf der Veranstaltung auch viel Hilfreiches zur Diskussion der drei vorgestellten Gründungen bei. Als erstes präsentierte Philip Gaedke sein Unternehmen Gaedke Tapeten. Es bietet online die Konfiguration völlig individueller Tapeten für Privat- und Büroräume. Endkunden können sich Motive aus Galerien aussuchen oder eigene Entwürfe hochladen, die anschließend auch der Community zur Verfügung stehen. Designer können die Shopinfrastruktur zur Vorstellung Ihrer Entwürfe nutzen. Das LaborX-Publikum zeigte sich sehr angetan von Gaedkes Angebot und unterstützte ihn mit einer Vielzahl von Marketing- und Vertriebsideen. Prof. Ihl lenkte allerdings das Augenmerk auf einen entscheidenden Punkt in Sachen Lean Startup: Skalierung muss immer am Schluss kommen – bei Gaedke empfahl er zunächst, das Grundproblem der Zielgruppe herauszufinden: Was genau fehlt den angesprochenen Kunden bislang im Markt?

Der zweite Unternehmer auf der Bühne widerlegte das Vorurteil, dass Bügeln ein langweiliges Thema sei: Moritz Olbrisch von Bügelrevolution stellte seine vollautomatische Bügelpuppe für Hemden und Hosen vor. Viele Sympathien gewann er mit seiner tiefenentspannten Art, ein Business aufzubauen – Bügelrevolution ist in der Tat ein gutes Beispiel für vergleichsweise einfaches Gründungskonzept. Dennoch hatte das Publikum viele Fragen und Vorschläge, die von potenziellen Vertriebspartnern bis zum möglich Risiko der leichten Nachbaubarkeit der Bügelautomaten reichten. Aus dem Lean Startup-Werkzeugkastzen empfahl Prof. Ihl ein Experiment, bei dem man mit einer begrenzten Zahl von Automaten ein Pay-per-Use-Modell ausprobieren könnte.

Für Craftspace, die dritte vorgestellte Gründung, gingen Christoph Lange und Dr. Til Rochow auf die Bühne. Sie bauen derzeit eine Online-Plattform für Produktions-, Gewerbe- und Hobbyräume auf – ein „AirBnB für Gastro-, Werk- und Kreativräume“, wie sie es selbst nennen. Noch machen sie keinen Umsatz, aber die Anbieterseite scheint zu funktionieren, wenn man es an der schnellen Befüllung und den spontanen Weiterempfehlungen durch Raumanbieter misst. Lange und Rachow erhielten ebenfalls viel Zuspruch aus dem Publikum – und die nachdrücklich Empfehlung von Jan Evers, durch einen Wechsel der Blickachsen auf das eigene Unternehmen die zentrale Frage des „Warum?“ auf den Punkt zu bringen: In seinem Eingangsstatement hatte Til Rochow die entscheidenden Sätze gesagt, auf denen sich aufbauen lässt: „Als ich selbst einmal übergangsweise eine Produktionsküche für einen Foodtruck brauchte, habe ich die Not selbst gespürt, so etwas zu finden.“ Angebote wie Craftspace fördern im Grunde das Kleinunternehmertum und machen ein Lean Startup erst möglich. Das ist ein spannender Ansatzpunkt für Allianzen: Für Wirtschaftsförderer, z.B. die Kammern, könnte Craftspace ein attraktiver Kooperationspartner sein.

Das 4. LaborX Hamburg zeigte mit Erkenntnissen wie diesen wieder einmal, welche Bereicherung das „Feedback aus der Crowd“ für das Gründungsgeschehen in Hamburg darstellt. Gaedke Tapeten ist ein weiterer Beweis, dass auch bestehende Unternehmen für innovative Vorhaben vom LaborX profitieren können. Auch das stetig weiter entwickelte Konzept – diesmal gab es z.B. erstmals kleine Messestände von neugegründeten Unternehmen – und das wie immer lebendige Netzwerken am späteren Abend trugen dazu bei.

Ohne die Partner von LaborX für Entrepreneurship Hamburg wäre der Abend natürlich nie zustande gekommen. Die Unterstützung reichte von der Bekanntmachung der Veranstaltungen im Netzwerk durch Newsletter, Blogbeiträge etc. bis zum Beisteuern toller Gründer und -ideen. Die HAW stellte dankenswerterweise erneut Räumlichkeiten und technische Infrastruktur.

Da die Freie und Hansestadt ihre Förderung verlängert hat, sind vier weitere Veranstaltungen für dieses Jahr gesichert. Am 25. April 2016 geht es daher weiter mit dem LaborX Hamburg im Forum Finkenau. Thema: Crowdfunding. Impulsreferentin: Christin Friedrich, Innovestment GmbH. Mehr dazu regelmäßig auf https://www.facebook.com/laborxHH.

Hier übrigens ein Bericht von Hamburg Startups über die Veranstaltung.

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