Kooperation zwischen Hochschulen und Wirtschaftsförderern für mehr Wissensgründungen – Ein Beispiel aus Bochum

Die Entwicklung des produktiven Zusammenspiels von Hochschulen und Wirtschaftsförderern in regionalen Gründerökosystemen ist als Zukunftsaufgabe für viele Regionen Deutschlands relevant. Insbesondere in jenen Regionen, in denen die ansässigen Hochschulen sich bislang nicht als Gründerhochschulen profiliert und entsprechende Unterstützungsstrukturen aufgebaut haben, stellt sich diese Herausforderung in besonderen Maße. Auch in diesen Regionen besteht viel Potential für innovative Wissensgründungen, das jedoch zumeist aufgrund fehlender Unterstützungsangebote vor Ort und zu geringer Vernetzung mit der Wirtschaftsförderung brach liegt.

Ein Beispiel ist die Region Bochum, die mit 9 Hochschulen, darunter die Ruhr Universität Bochum (RUB, mit 42 Tausend Studierenden eine der größten Volluniversitäten Deutschlands) ein großes Potential für Wissensgründungen aufweist. Bislang hat keine der Bochumer Hochschulen vom Bundesförderprogramm EXIST-Gründungskultur profitiert. Anhand des kürzlich vom Stifterverband veröffentlichten Ranking „Gründungsradar 2016“ zur Bewertung der Qualität in der Förderung von Unternehmergründungen an deutschen Hochschulen lässt sich aber deutlich der enge Zusammenhang von EXIST- Förderung und Entwicklungsgrad der hochschulnahen Förderstrukturen ablesen. Unter den betrachteten 34 Hochschulen mit mehr als 15.000 Studierenden befinden sich lediglich zwei Hochschulen, die bislang keine EXIST-Förderung erhalten haben. Darunter auch die RUB, die in dieser Ausgabe des Gründerradars zum ersten Mal am Ranking teilgenommen hat.

Da die Zukunft des EXIST-Gründungskultur Programms noch offen ist, eine Weiterführung der Intensivförderung von einzelnen Hochschulen aber wohl ausgeschlossen werden kann, ergibt sich aus Sicht der Hochschulakteure in Bochum die Herausforderung, mit „Bordmitteln“ bzw. gezielt eingeworbenen Fördermitteln (Land und/oder Bund) das Unterstützungssystem für Hochschulgründungen weiter zu entwickeln und dabei möglichst effizient und effektiv vorzugehen. Gleichzeitig ist die Wirtschaftsentwicklung Bochum als zentraler Akteur der regionalen Wirtschaftsförderung an einem regen Gründungsgeschehen an den Bochumer Hochschulen interessiert. Vor diesem Hintergrund wandten sich die Stakeholder der Region an evers & jung. Ziel war es, über die Analyse der Herausforderungen und Chancen in der Region zu einer gemeinsamen Strategie zu finden, mit der mehr Wissensgründungen aus dem Bochumer Hochschulumfeld ermöglicht werden können.

Während der Analysephase wurden für die Region Bochum die vorhandenen Unterstützungsangebote für die Zielgruppe erfasst, und über Einzelgespräche mit lokalen Stakeholdern, Anbietern und Wissensgründern Erkenntnisse über Lücken und Bedarfe gewonnen. Dabei zeigte sich eine hohe Bereitschaft aller Akteure gemeinsam an einem funktionierenden Ökosystem zu arbeiten. Anhand der konkreten Antworten konnten Anforderungsprofile für die Weiterentwicklung der bestehenden Unterstützungsangebote und –strukturen erstellt werden.

Die Analyseergebnisse wurden mit einer Reihe von Stakeholdern auf einem ganztägigen Workshop vor Ort diskutiert. Das Resultat des Workshops wurde schließlich, nach einer Reflektion mit den Auftraggebern, in einem strategischen Ansatz zusammengefasst, der nun die weiteren Aktivitäten in der Region anleiten wird. Der Fokus lag dabei auf der Verstärkung der Gründungskultur an den Hochschulen, und damit einer Intensivierung der Sensibilisierung von Studierenden mit Unternehmertum. Auch wurde eine klare Rollen- und Aufgabenteilung zwischen Hochschulakteuren und der Wirtschaftsentwicklung definiert und konkrete Schritte für vertiefte Kooperationen und gemeinsame Angebote verabredet.

Mit diesem strategischen Ansatz ist die Region Bochum nun dafür gerüstet, das regionale Unterstützungsangebot für Wissensgründer selbstständig weiterzuentwickeln und bei Bedarf zusätzliche Ressourcen aus Landes- oder Bundesförderprogrammen für regionale Vernetzungsstrukturen zwischen Hochschulen und Wirtschaft einzuwerben.

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