Förderbanken in Deutschland: Vor dem digitalen Wandel – oder mitten drin

Die Frage nach der Zukunft der deutschen Förderbanken gewinnt in der breiten Öffentlichkeit an Priorität, zeigte kürzlich ein Spezial des Handelsblattes (Ausgabe vom 13. Oktober 2015): „Wie zukunftstauglich sind die Förderbanken in Deutschland aufgestellt?“ lautete die kritische Eingangsfrage der Autorin Lara Sogorski – und die Publikation trug in der Folge Daten und Fakten zusammen, die belegen, dass diese Frage nicht unberechtigt ist. Gestützt wurde das Ganze u.a. durch Erkenntnisse und Zitate von evers & jung. Der Förderatlas Mittelstand 2015 beispielsweise zeigte, dass sich weniger Unternehmen über Angebote der Förderbanken informieren als vor zwei Jahren (72 statt 86 Prozent). Auch Dr. Jan Evers kommt ausführlich zu Wort, beispielsweise zur den veränderten Rahmenbedingungen und möglichen Auswegen.

Fünf Kernthesen zur Zukunft der Förderbanken

Insgesamt schließt das Handelsblatt Spezial an fünf Kernthesen von evers & jung an:

  1. Rahmenbedingungen: Die öffentlichen Mittel werden grundsätzlich knapper, gleichzeitig stehen Förderbanken immer stärker vor der Herausforderung, nachweisen zu müssen, was die Mittel im Markt bewirken. Die Europäische Kommission und die Rechnungshöfe fordern Transparenz bei die Fördermittelvergabe ein, von der Programmgestaltung über den Förderantrag  bis zur Evaluation der Wirkungen. Da dies nur in elektronischer Form geschehen kann, braucht es durchgehende Datenprozesse und Controlling-Ansätze, um die Informationen zusammenzutragen und zu bewerten. Das ist eine riesige Chance für die Banken, auch um für die Kunden mehr Transparenz und Effizienz zu schaffen.
  1. Verändertes Kundenverhalten: Die digitalen neuen Finanzierungsformen wie Crowdfunding oder Peer-to-Peer-Lending wecken neue Ansprüche der Unternehmer bei den Förderbanken. Die Kunden wünschen sich einfache, transparente Wege für die Antragsstellung, die möglichst online nachvollziehbar sind wie eine Bestellung bei Amazon. Wenn sich die Förderbanken hier nicht anpassen, verlieren sie Stück für Stück an Relevanz, insbesondere bei den jüngeren, innovationsstarken Unternehmern.
  1. Digitale Empowerment-Tools: Es kommt jetzt darauf an, ansprechende digitale Tools zu entwickeln, die die Kunden befähigen, bessere Unternehmer zu werden. Die optimale Finanzierung ist dabei nur ein Thema. Hier könnte echtes digitales Empowerment von der Liquiditätsplanung bis zur Geschäftsplanentwicklung geleistet werden. Am Beispiel Businessplansoftware lässt sich das gut verdeutlichen: Aus einem digital erstellten Businessplan könnten die Unternehmer bereits eigenständig selektieren, für welches Förderprogramm sie in Frage kommen und ihre gesamten Anträge integriert vorbereiten, um nicht Zeit bei der Bank zu verlieren.
  1. Vision „Fördervernetzer“: Die größte Umstellung, aber auch der größte Gewinn, für die gesamte deutsche Förderlandschaft wäre die konsequente Wandlung der Förderbanken zu digitalen Fördervernetzern. Das heißt, dass Unternehmen auf den Onlinepräsenzen der Banken umfassend über alle regional relevanten Förderungen aufgeklärt werden – egal ob private oder öffentliche, kommunale oder bundesweite Anbieter dahinter stehen – und von der Bank mit intelligenten Filter- und Bewertungsangeboten in die Lage versetzt werden, eigenständig das passende Programm auszuwählen.
  1. Regionales Profil: Sinnvoll ist es zudem, dass die Landesförderinstitute ihre Profilbildung weiter vorantreiben, um die spezifischen wirtschaftlichen Stärken im eigenen Bundesland mit passenden Förder- und Unterstützungsangeboten gezielt zu entwickeln. Mit einem in die regionalen Wirtschaftsstrukturen eingepassten Online-Offline-Angebot und entsprechenden Kooperationen können die Stärken der Vor-Ort-Präsenz in der Fläche mit den Vorteilen der niedrigschwelligen digitalen Verfügbarkeit verbunden werden.

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