FinTechs und die Digitalisierung der Banken: Es ist angerichtet. (UPDATE)

Die Digitalisierung der Banken zeigt allmählich ihre ganze Dynamik. Und hier reden wir nicht nur von Online-Banking und Filialsterben, sondern von den völlig neuen Möglichkeiten, die die digitalen Non-Banks wie moneymeets, munio oder vaamo uns schaffen. Der Zahlungsverkehr ist schon an solche Player verloren, Kredit- und Wagniskapitalbeschaffung teilweise – und nun beginnt die Erosion im Anlagebereich. Wer braucht demnächst noch eine klassische Bankverbindung?

Nehmen wir nur das Thema Mobile Banking im Auto: Wenn selbst die Steuerung eines Kleinunternehmens digital von unterwegs aus möglich ist, hat das enorme Konsequenzen für die Banking-Geschäftsmodelle dahinter:

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=pK7UdnOBYm4

Blogger Elmar Borgmaier, von dem dieser Hinweis stammt, sieht den digitalen Wandel im Finanzbereich recht ähnlich wie wir bei evers & jung. In einem Blogbeitrag verlangte er kürzlich drei Dinge von den Banken als Antwort auf die FinTechs:

  • „Erstens. Das Top-Management muss wirklich kapieren, was auf dem Spiel steht.
  • Zweitens. Die Organisation unterhalb des Top-Managements muss ihre Zusammenarbeit neu justieren.
  • Drittens. Die Bank-IT (oder Rechenzentrale) muss sich als Treiber des Wandels einbringen.“

Wir würden einen vierten Punkt ergänzen: Die Banken (und Versicherer natürlich genauso) müssen sich dringend überlegen, was genau ihnen bleibt, wenn ein Großteil ihrer Wertschöpfung von den wendigen Fintechs abgeknabbert wird. Welcher Kern und welche Stärke bleiben bestehen?

Aus unserer Sicht kann es die Beratung sein. Gerade weil sie nicht voll in digitale Kanäle passt, scheuen die FinTechs diesen Leistungsteil wie der Teufel das Weihwasser.

Am Ende brauchen alle FinTechs bislang einen Bankpartner – zumindest für alles aufsichtsrechtlich Relevante. Aber warum nicht auch für die Beratung? Einer guten Offline-Beratung würde eine Online-Vorbereitung zweifellos gut tun. Und warum nicht auch beim ungeliebten Thema Beratungsdokumentation aus der Not eine Tugend machen? Eine für Kunde wie Berater verfügbare Online-Dokumentation hat das Potenzial, daran lebenslang weiter zu arbeiten. Klingt ehrgeizig, ist aber machbar.

Immer dort also, wo die digitalen Modelle an ihre Grenzen kommen, weil am Ende der persönliche Kontakt und die Expertise eines Menschen aus Fleisch und Blut erforderlich ist, könnte die große Zukunft der traditionellen Finanzbranche liegen. Sie müsste es nur als Chance erkennen.

Die Diskussion ist hiermit eröffnet.

UPDATE: Thomas Jorberg, Vorstandssprecher der GLS Bank (evers & jung-Kunde) hat zu diesem Thema im Februar ein lesenswertes Positionspapier veröffentlicht. „Banken, wie wir sie kennen, wird es in 10 Jahren nicht mehr geben„, rechnet er offen mit seiner Branche ab. Dies löste eine lebhafte Debatte unter seinem Artikel aus. Unser Diskussionsbeitrag dort: Die Regulierung macht es in der Tat schwer. Gleichwohl könnten Banken von FincTechs lernen. Diese haben nämlich einen bestechend klaren Nutzenfokus und eine zeitgemäße Kommunikationsform ihren Kunden gegenüber. Die Webseiten einer Bank sind im übrigen nicht überreguliert – wieso also nicht dort die Endkunden unterstützen, gute Entscheidungen zu treffen? Dies würde Vertrauen zurückgewinnen helfen, guten Vertrieb fördern und fehlgeleitete Beratung verhindern.

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