Businesspläne im Rückspiegel: Spannendes Experiment bei brandeins

In einem früheren Blogpost diskutierten wir hier die Kontroverse „Business planning versus modelling„. Daraus wurde eine Roadshow in 12 Städten mit 450 Teilnehmern zu digitalen Trends in der Gründungsförderung. Die Kontroverse gipfelte im Abschlussevent in Berlin in der Frage, ob der heutige Businessplanzwang der Förderlandschaft den Unternehmenserfolg überhaupt positiv beeinflusst.

Das Wirtschaftsmagazin brandeins hat das Thema jetzt in der Mai-Ausgabe („Wo willst du hin“, S. 50-55, hier die Online-Version) aufgegriffen und mit fünf erfolgreichen Unternehmern den damaligen Businessplan wieder aufgeschlagen. Die Erkenntnisse der beiden Autoren Marc-Stefan Andres und Peter Gaide sind spannend:

Frederik Braun vom Miniatur Wunderland in Hamburg sieht seinen damaligen Businessplan mit zwei Seiten Text und zwei Seiten Zahlen heute kritisch – trotzdem habe dieser ihm in Kombination zwei Stunden persönlicher Überzeugungsarbeit die Finanzierung durch die Haspa ermöglicht und dieses Investment zu einem großen Erfolg geführt. brandeins dazu: „Die Gründer hatten es geschafft, den ersten Kredit mit einem eher halbgaren Businessplan zu bekommen – später brauchten sie nie wieder einen.“

Hartwig Bentele und Christoph Lauterbach haben für ein Exist-Stipendium zur Gründung ihres Unternehmens Kunstmatrix eine 64-seitigen Businessplan geschrieben. Die Wachstumsprognosen gingen nicht auf – weil der Investor fehlte. Heute ärgern sich die beiden, damals „unbedingt realistisch und konservativ rüberkommen“ zu wollen und damit Geldgeber nicht begeistert zu haben. Ihr selbstkritisches Resümee: „Natürlich ist es wichtig, ein Geschäftsmodell vorab gründlich zu durchdenken. Aber doch nicht so bürokratisch und in Erbsenzähler-Manier auf fünf Euro runtergebrochen.“

Stefan Clauss und Stefan Schulze Dieckhoff, Gründer von Heimplanet (und Beispiel-Businessplangeber bei SmartBusinessPlan), schmunzeln heute über die Zielgruppendefinition und die weit verfehlten Zahlenspiele. Im heutigen Unternehmensalltag nutzen sie den Businessplan jedoch, um Szenarien durchzuspielen. Angepasst an die Wirklichkeit und ständig aktualisiert, gibt ihnen der Plan zudem einen guten Überblick über die Liquidität des Unternehmens.

Jan Bohl schrieb vor 15 Jahren seinen Businessplan und äußert sich darüber so: „Erstaunlicherweise ist heute vieles immer noch zutreffend.“ Das Ziel 20 Millionen Umsatz und 5 Millionen Gewinn erreichte sein Musiksoftwareunternehmen Ableton 2013 – also nicht wie geplant 2005. Kernidee, Vertriebsweg, Internationalisierung, Preise stimmen im Wesentlichen aber  mit dem Plan überein.

Lars Hinrichs, Gründer von OpenBC (das später zu Xing wurde) gründete ohne Businessplan, wurde ohne Businessplan profitabel und glaubt nicht an Businesspläne. Er investierte folglich auch in 16 von 3.000 eingereichten Ideen bei seinem inzwischen geschlossenen Inkubator HackFwd am liebsten auf Basis von Prototypen und keinesfalls auf Basis von … – Sie ahnen es.

 

Der Hälfte hat der Plan geholfen, der anderen nicht

 

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Titelblatt brandeins Mai 2015

Titelblatt brandeins Mai 2015

Was lehrt uns das nun alles? Fünf Beispiele sind zwar nicht ganz ausreichend für eine wissenschaftliche Auswertung, aber zählen wir einmal aus (abgesehen davon, dass fünf eine ungerade Zahl ist): Etwa der Hälfte hat der Plan geholfen, der anderen nicht. Eine gründliche wissenschaftliche Untersuchung hierzu wäre einmal spannend (und die Methodik sicher herausfordernd).

Ich sehe das hier mal pragmatisch: Damit gute Pläne weniger Zeit brauchen, Zahlen und Text ineinander greifen und Gründer sich damit auf die Arbeit am Unternehmen fokussieren – genau dafür hat evers & jung SmartBusinessPlan entwickelt. Dies zum „Businessplan 2.0″ weiter zu entwickeln, daran arbeiten wir hart. Aus der Roadshow und dem tollen brandeins Artikel haben wir dafür viel mitgenommen. Danke!

Hier geht’s zum Artikel.

Jan Evers

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